Lehrgangs-Premiere in Kronach

Karate - Lehrgang

Am Samstag, 14. April fand ein Karate-Lehrgang in Kronach statt, den man, zumindest bayernweit, als Besonderheit bezeichnen könnte. Es wurden aus den Shotokan-Kata abgeleitete Flow Drills eingeübt. Die Meister Joachim Merkl und Christian Konrad, beide 4. Dan Karate und bekannt als Spezialisten für Selbstverteidigungs-Bunkai, waren zum vierten Mal der Einladung der Turnerschaft Kronach gefolgt, um ihr Bunkai zu lehren.

 

Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein kam wieder eine stattliche Anzahl von Karateka nach Kronach in Oberfranken, um sich in der Abwehr von realistischen Straßenangriffen unterrichten zu lassen. Trotz etlicher krankheitsbedingter Absagen war die Teilnehmeranzahl wieder größer als erwartet.

 

Schon drei Mal waren die beiden Meister in der Vergangenheit in Kronach gewesen, um Selbstverteidigungs-Bunkai der Shotokan-Kata zu lehren. Dabei handelt es sich um die Abwehr von Angriffen, die weder abgesprochen sind, noch aus „sauberen“ Karatetechniken bestehen. Angriffe, wie sie nachts an einsamen Stellen, in Unterführungen, U-Bahnhöfen oder Volksfesten leider immer häufiger Realität sind. Angriffe also, denen jede(r) von uns plötzlich und unverhofft ausgesetzt sein kann.

 

Am 14. April hatten die Meister Christian Conrad und Joachim Merkl jedoch ein Novum mit nach Kronach gebracht. Sie unterrichteten Flow Drills, die aus den Shotokan-Kata abgeleitet sind und mit einem Partner wechselseitig und in immer wiederkehrendem Fluss eingeübt werden.

 

Der Lehrgang bestand wie bisher auch aus zwei Trainingseinheiten am Samstag Nachmittag. Thema der ersten Einheit waren Drills aus den Heian Kata, in der zweiten Einheit wurden einige aus Oberstufenkata entwickelte Drills unterrichtet.

 

Wie schon in den vergangenen Lehrgängen wurden nicht nur Bewegungsabläufe geübt, sondern die Meister fügten interessante Zusatzinformationen ein, z.B. aus welchen Kata die Flow Drills entnommen waren und wie die Abwehrtechniken wesentlich effektiver werden, oder auch dass durch das Üben eines Drills im gleichmäßigen Fluß der Bewegungsablauf ins Bewegungsgedächnis übernommen wird, von dem aus er auch in Stresssituationen unbewußt abgerufen und zusammen mit den schnellen Muskelfasern vom Typ 2 ausgeführt werden kann. Durch die hohe Belastung beim Drill werden auch diese Muskeln trainiert.

 

Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Graduierungen waren anwesend, vom 9. Kyu bis zu höheren Dan-Graden. Wieder gelang es den Meistern, den Lehrgangsstoff so kurzweilig zu präsentieren, daß die Zeit wie im Flug verging und die Teilnehmer bis zum Schluss eifrig übten. Manch einem Weißgurt war ein zunehmendes Staunen darüber anzusehen, wie viel und welch raffiniertes Verteidigungs-Know-How in den Kata enthalten ist.

 

Und wie immer trafen sich nach dem Lehrgang noch einige Teilnehmer zusammen mit den beiden Meistern in einer nahegelegenen Pizzeria zu einem gemütlichen Abendessen und ließen den Tag angenehm ausklingen.

Karate - Lehrgang

Karate – Lehrgang

 

Bild: Hilmar Wachter

Text: Rainer Neubauer