Geschichte

th_altAm 19.2.1861 wurde in der Kronacher Zeitung „Fränkischer Wald“ ein Artikel veröffentlicht, in dem zur Bildung eines Turnvereins aufgerufen wurde. Dieser Verein sollte der möglichst allseitigen Ausbildung des Körpers sowie der geistig-sittlichen Ausbildung der Teilnehmenden dienen. Der Turnverein Kronach sollte aus wirklichen Mitgliedern, aus Turnfreunden und aus Zöglingen bestehen. Wirkliche Mitglieder waren Männer über 18 die turnen wollten. Zu Turnfreunden sollten solche Männer gezählt werden, die unbescholten und über 25 Jahre alt waren. Ihre Aufgabe war es, ihren Einfluss insbesondere zur Hebung des inneren Wertes des Vereins geltend zu machen. Zöglinge waren junge Leute von 10 bis 18 Jahren. Die Emanzipation hatte sich noch nicht herumgesprochen, Frauen konnten demzufolge auch keine Mitglieder werden.
Die Gründungsversammlung fand dann am 16.3.1861 bei Sigmund Pfaff (= jetzige Gaststätte „Kaiserhof“) statt. Bereits am 1. Tag seines Bestehens zählte der Verein 60 Mitglieder. Zum 1. Vorstand wurde Bezirksgerichtsrat Krapp gewählt. Gleichzeitig wurde beschlossen, „baldigst tüchtige Turner“ für eine noch zu gründende Feuerwehr heranzubilden.

Geturnt wurde dann auf der Städt. Hofwiese (jetziger Schützenplatz). Als „Winterturnlokal“ diente das Sommerhaus im Cammerersgarten (gegenüber der evangelischen Kirche).
Aus Mitgliedern des Vereins wurde am 26.10.1862 bei einer Versammlung im Rathaussaal die Freiwillige Feuerwehr Kronach gebildet. Im Januar 1870 löste sich die Feuerwehr jedoch mangels genügender Mannschaften wieder auf, so daß sich der Turnverein erneut dem Feuerlöschwesen der Stadt Kronach annehmen mußte. Diese „freiwillige Turnfeuerwehr Kronach“ bestand als Abteilung des Vereins, bis sie sich dann 1878 endgültig als „Freiwillige Feuerwehr“ verselbständigte.

Da das „Winterturnlokal“ im Cammerersgarten (steht heute noch) nur ein Notbehelf war, wurde das heutige Gerätehaus der Feuerwehr eingerichtet und von 1863 bis 1880 als Turnhalle benutzt. Im Jahre 1880 wurde sie dann in ein für die Feuerwehr notwendig gewordenes Gerätehaus umgebaut, so daß in das Erdgeschoß des alten Kronacher Rathauses umgezogen werden mußte.

Im Oktober 1888 wurde als neue Abteilung eine freiwillige Sanitätskolonne gegründet. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten wurde sie dann im Januar 1891 ein eigenständiger Verein.
Die Turnhalle – bis zum Jahre 1989 ein Dauerproblem – im alten Rathaus mußte aus hygienischen Gründen durch Regierungsbeschluss v. 5.2.1903 geschlossen werden. Mit verschiedenen Maßnahmen wurde versucht, an das Geld für einen evtl. Neubau zu gelangen. Nachdem mehrere versuchte Möglichkeiten, auch die Bewirtschaftung einer eigenen Bierhalle beim Schützenfest, nicht den gewünschten finanziellen Erfolg brachte, zog man ab 1904 in das umfunktionierte ehemalige Klosterbrauhaus um.

Um den „neuesten Zeitbedürfnissen“ Rechnung zu tragen, wurde im Jahre 1900 ein Fußball angeschafft. Dies fand erheblichen Anklang im Verein, so daß im Jahre 1909 eine eigene Spielriege beschlossen und im April 1910 die Koch’sche Wiese als Spielplatz gepachtet wurde. Am 11.4.1912 trat der Fußballclub (FC Kronach 08) dem Verein bei. Im Jahre 1922 mußte er sich dann jedoch wieder selbständig machen, da es dem Verein nicht mehr möglich war, die Pacht für die Spielwiese in Höhe von 150.000,00 RM (ca. 600000€) zu bezahlen.

Zu einer weiteren „Modernisierung kam es 1906, also 45 Jahre nach der Vereinsgründung, als eine Dame beantragte, in der Halle turnen zu dürfen. Dies führte zu dem Beschluss, eine Damenriege zu bilden und die teilnehmenden Damen als „außerordentliche Mitglieder“ aufzunehmen.
Um das Problem mit der Turnhalle zu lösen, wurde 1926 der Bau einer eigenen Turnhalle beschlossen. Im April 1928 beschloss die Generalversammlung, dem Vorschlag der Vorstandschaft entsprechend, das Wassermann’sche Fabrikanwesen (Schuhfabrik), Ecke Friedhofstr./Rodacher Str., zu kaufen und in eine eigene Turnhalle umzubauen. Hierzu gehörte Mut und Unternehmungsgeist, wenn man bedenkt, dass ein Betrag in Höhe von ca. 134.000,00 RM notwendig war, in der Kasse sich jedoch lediglich 2400.00 RM befanden. Trotzdem konnte schon im Jahre 1930 den Mitgliedern mitgeteilt werden, daß der Verein keine ungedeckten Schulden mehr besaß.
In der Jahnsallee wurde im Jahre 1927 ein Gedenkstein zu Ehren des Friedrich-Ludwig Jahn aufgestellt.

Die Kriege in den Jahren 1866, 1870/71 und 1914/18 hatten dem Verein immer wieder Rückschläge versetzt. Am Ende des 2. Weltkrieges war jedoch der Tiefstpunkt erreicht. Die Turnhalle und die Nebengebäude waren von der Besatzungsmacht beschlagnahmt; Flüchtlinge und Obdachlose belagerten die Halle. Sämtliche brennbaren Materialien, wie Türen, Fensterrahmen usw., wurden z.T. an offenen Feuern in der Halle verbrannt. Das gesamte Mobiliar, die Turngeräte, die Karteien, alles war vernichtet – was blieb, war ein Trümmerhaufen. Die Kronacher ließen sich davon jedoch nicht entmutigen und brachten trotz aller politischen und finanziellen Probleme den Verein wieder auf den Weg des Erfolges, ohne dabei die sozialen Belange zu vergessen. Der kleine Saal wurde 50 Kriegsversehrten als Arbeitsraum zur Verfügung gestellt; die Diele wurde für Kinderspeisungen benutzt. Den Reinerlös eines am 16.11.47 durchgeführten Balles konnte man der Stadt Kronach als Spende übergeben. Das ehemalige Frühlingsfest wurde eingeführt.

Im sportlichen Bereich erfolgte ein steiler Aufschwung. Verschiedene Abteilungen konnten neu gegründet oder wiedererweckt werden. Nicht nur durch gesellschaftliche, sondern hauptsächlich durch sportliche Aktivitäten wurden weitere Mitglieder gewonnen. Dadurch wurde der Verein zum mitgliederstärksten des Landkreises Kronach. Bei solch großem Angebot an verschiedenen Sportarten blieben selbstverständlich auch besonders hervorzuhebende Erfolge nicht aus.
Basketball ist seit Jahrzehnten ein Garant für Hochklassigkeit. Die 1. Herrenmannschaft wurde 1974 süddeutscher Meister, 1979 Bayernpokalsieger und drang 1981 bis in die 2. Bundesliga vor. In der heutigen Zeit macht besonders die Jugend von sich reden, die 1996 Bayerischer Pokalsieger wurde. Auch die Tischtennis-Mädchen setzten in den achtziger Jahren zu einem Höhenflug an. Sie wurden ebenfalls Bay. Pokalsieger und stiegen dann als Damenmannschaft bis in die Bayernliga vor, bis dann das Studium die Mannschaft auseinanderriss.

Auch in den Einzelsportarten sind einige Namen zu nennen, z.B.:
Norbert Weiser
(Deutscher Meister im Dreisprung)

Dieter Eber
(vertreten in der deutschen Bestenliste im 5000 m Bahnengehen)

Helga Müller
(Deutsche Vizemeisterin im Friesenkampf =75 m Lauf, Schleuderball, 100 m Brustschwimmen und Fechten)

Eva-Maria Parzer
(mehrmalige bayerische und deutsche Meisterin im Schwimmen)

Martin Pietz
(Deutscher Meister in seiner Altersklasse bei den Mehrkampfmeisterschaften im Schwimmen.

Walter Lemke
Deutscher AK-Vizemeister im Rückenschwimmen

 

haus01Das neue Turnerheim mit Tischtennishalle

Sie sehen, liebe Leser und Leserinnen, die Turnerschaft ist ein Teil der Stadt Kronach und ihrer Geschichte, zumindest während der letzten 125 Jahre. Sie ist jedoch jung geblieben und versucht, allen etwas zu bieten, sei es im Spitzensport oder auf geselliger Ebene. Das Hauptaugenmerk wird jedoch auf den Breitensport gelegt. Denn gerade der Breitensport bietet Kameradschaft in einer Gruppe von Gleichgesinnten; er kann in der heutigen Zeit eine Oase des friedlichen, geselligen Miteinanders sein, losgelöst vom Stress, der Hektik und dem Konkurrenzkampf, dem wir uns heute in unserer vorhandenen Gesellschaftsstruktur alle ausgesetzt sehen.

 Diese Chronik wurde zur 125-Jahrfeier im Jahre 1986 von Karlheinz Babinsky verfasst und soll anlässlich der 150-Jahrfeier im Jahre 2011 fortgeführt werden.

Eine kleine, aber wichtige Ergänzung aus dem Jahr 1990:

Das alte und ewig neue Problem der Turnhalle, vorübergehend durch den Mut der damaligen Vorstandschaft im Jahre 1928 gelöst, trat im Laufe     der Zeit wieder in den Vordergrund. Am 20.3.1981 wurde die Vorstandschaft beauftragt, eine zeitgemäße Lösung für dieses Problem zu finden. Nach Überdenken und Verwerfen verschiedener Möglichkeiten kam man überein, doch einen Neubau in Angriff zu nehmen. Im Dezember 1989 stand das neue Gebäude und fügt sich seither harmonisch in die Umgebung ein. Für die „allseitige Ausbildung des Körpers“ wurden eine Turnhalle in der Größe 15 x 27 Meter, eine Tischtennishalle 14 x 15 Meter, und für die „geistig-sittlichen Bedürfnisse“ eine Gastwirtschaft mit Nebenzimmer gebaut. Eine Überschreitung des vorgegebenen Kostenrahmens erfolgte nicht, so dass heute mit Stolz auf ein fast schuldenfreies, eigenes Areal geblickt werden kann. Für den Sport und die „anschließenden Besprechungen“ sind daher nunmehr die besten Voraussetzungen gegeben.